503. Dürfen wir mitspielen? (TVS 13/14)


Alle vier Jahre wieder ist es an der Zeit dass sich die strammsten Waden der fußfröhlichsten Nationen unserer Erde zum sportlichen Wettstreit um die Weltmeisterschaft im Profi-Krökeln treffen. Wann auch immer Sie diesen Text lesen ist die deutsche Mannschaft entweder noch auf dem Hinweg, bereits bei den drei Pflichtspielen, mit Zittern gerade so noch mal weiter oder bereits auf dem Heimweg. Somit sind Ihre und die nationale Stimmung im Moment entweder skeptisch abwartend, gequält hoffend oder depressiv enttäuscht. Zur Entstehungszeit dieser Zeilen hat Jogi Löw jedenfalls noch große Schwierigkeiten, überhaupt genügend einsatzfähige Spieler zusammen zu bekommen, die bereit sind sich in der brasilianischen Hitze vom deutschen TV-Publikum bepöbeln und vom Sofa aus anschreien zu lassen. Sehr viele aus dem Nationalkader sind einfach ganz doll krank (Grippe mit Kopf- Hals- und Gliedschmerzen, Lactose-Intoleranz, Kapselriss, Achseljucken, Arschbruch, eingewachsener Zehennagel, Jetlag, Schulter-Aua, Wechseljahre, etc). Andere sind gerade im Urlaub, auf Konfirmanden-Freizeit, über das Wochenende bei den Eltern oder haben einfach keinen Bock. Analysten bezweifeln ohnehin ein positives Abschneiden von Jogis Eleven, da es in Brasilien viel zu warm für seinen blauen Glückspullover sein könnte.
Um die Anzahl der schlechten Vorzeichen weiter ansteigen zu lassen, entschied sich das ZDF fatalerweise auch noch dazu, das beliebte WM-Studio diesmal nicht aus dem schönen Heringsdorf auf Usedom zu senden, sondern direkt aus Brasilien, quasi dem Austragungsland. Und das obwohl der Oderstausee in Bad Lauterberg, die Kieskuhle Naschendorf oder das Badeland Waikiki in Zeulenroda allesamt großes Interesse angemeldet hatten und bestimmt eine wunderschön beruhigende Kulisse für die gemütlichen Fußball-Plaudereien abgegeben hätten. Die ZDF-typische Lethargie im direkten Umfeld der mental angeschlagenen Kult-Kicker könnte Feng Shui-technisch ein böses Omen bedeuten. Jogi Löw bekundete in einem Brigitte-Interview allerdings noch einmal persönlich, dass er relativ großes Interesse daran hätte, mit seiner Mannschaft das Achtelfinale zu erreichen. Sollte das nicht gelingen, versprach er 12 Monate auf sämtliche Haarfärbemittel zu verzichten, einen neuen Dialekt einzuüben und mindestens einen halben Tag nicht mehr so grimmig zu gucken. Schon um das nicht erleben zu müssen, sollten wir unseren Jungs dieses Mal ganz besonders die Daumen drücken!

STARS AM ENDE

App-gekackt!

Spötter hatten es vorhergesagt, die Realität übertraf aber selbst die wildesten Spekulationen: der Versuch der ARD, oberlässig auf den QUIZDUELL-Zug aufzuspringen und ganz cool die First-Program-Viewer per App live gegen die Kandidaten spielen zu lassen, ging mit Karacho in die gebügelte Unterhose. Über eine Woche lang funktionierte rein gar nichts und Wurstwaren-Lobbyist Pilawa musste mit dem Studio-Publikum improvisieren, aber als es irgendwann dann doch klappte, wurde es trotzdem nicht unterhaltsamer. Vielleicht sollten die Öffentlich-Rechtlichen von so verrückt-neumodischen Sachen wie Apps, Internet oder Telefon doch besser die Finger lassen und die Zuschauer lieber wieder per Fax, Postkarte und Kettenbrief einbinden.

App-serviert!

Auch bei den jungen Wilden von ProSeven wollte man die Macht der Handy-App nutzen und mit KEEP YOUR LIGHT SHINING den Weg in die Zukunft des TV-Votings pflastern. Überraschenderweise klappte das hier sogar technisch problemlos, die Show allerdings mutierte zum herzlos-hektischen Gruppen-Vorsingen mit Schnellschleuder-Abwahl. Dazu noch eine so unterforderte wie überflüssige Zwei-Personen-Jury featuring the fast vergessenen Ricky Martin plus Sprechpuppe Annica Hansen als piepsige Moderationsfrisur. Professionell, bunt, modern – und trotzdem stinklangweilig. So langsam reicht’s auch einfach mit diesem ganzen Gesinge. Haben die alle keine Dusche?

Ausgekocht!

Schon wenn SAT1 versucht einen Erfolg von RTL nachzumachen, fahren sie es gewöhnlich gegen die Wand – da hätte man ahnen können dass es erst recht keine gute Idee ist, einen alten Flop zu kopieren! So wurde nun aus RTLs TEUFELS KÜCHE von irgendwann damals mit Rach die SAT1-Neuauflage HELL’S KITCHEN mit Frank Rosin. Jede Menge sehr wenig bekannter Ex-C-Promis müssen kochen, wobei jedes popelige Zwiebelschneiden zur dramaturgisch aufgeblasenen Melodram-Parodie wird, ohne dass irgendwer einem irgendwann sympathisch oder auch nur interessant erscheint. Typische SAT1-Kantinenpampe: überwürzt, zerkocht und direkt für die Tonne!


2017-02-10T01:40:04+00:00
Hier schreibt der Chef.

Oliver Kalkofe